SHG Höxter Vortrag Den Schmerz an die Hand nehmen
Die SHG Höxter wurde im Juni 2018 gegründet und ist seitdem Mitglied in der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung.
In Zusammenarbeit mit der SHG Chronische Schmerzen und der Freien SHG Fibromyalgie Holzminden organisierten wir für den 29.10.2025 einen Vortrag. Dieser wurde von Dr. med. Josef Nelles und Dr. med. Indira Ruch gehalten. Beide arbeiten in der Klinik für Schmerzmedizin, im St. Vincenz Hospital, Brakel. Der Raum füllte sich in kürzester Zeit mit 65 Interessierten, die mehr über die Möglichkeiten der Behandlung chronischer Schmerzen aus schmerzmedizinischer Sicht erfahren wollten.
Beide Dozenten informierten uns über eine kurzweilige Dauer von 90 Min. Im Zusammenfass des Vortrages möchten wir euch zur Verfügung stellen. Schmerz ist nicht gleich Schmerz, wenn der Schmerzreiz nicht aufhört. Schmerz ist ein komplexes Phänomen, das sowohl körperliche als auch emotionale Aspekte umfasst. Er hängt auch von positiven und negativen Faktoren ab. Nach mindestens 3-monatiger Dauer spricht man von einer Chronifizierung.
Chronischer Schmerz ist ein eigenständiges Krankheitsbild und fällt in den Bereich des muskuloskelettalen Schmerzes, mit allen Bereichen des Bewegungsapparates: Muskeln, Gelenke, Bänder, Faszien und des Nervensystems. Sie beeinträchtigen die Lebensqualität und schränken auch das soziale und berufliche Leben der Betroffenen ein. Etwa 10–20% der Bevölkerung leiden darunter, etwa 10% von ihnen benötigen eine spezielle Therapie. Das zentrale Element einer Behandlung ist die multimodale Schmerztherapie:
Eine spezifische Therapie Fibromyalgie-typischer Beschwerden gibt es aus schmerzmedizinischer Sicht nicht. Individuell wird für jeden Patienten ein „bunter Strauß“ an interdisziplinären Therapien zusammengestellt, sagt Dr. Nelles.
Die multimodale Schmerztherapie stellt die folgenden Bausteine nahezu gleichwertig nebeneinander:
- medizinische Behandlung,
- intensive Information und Schulung auf der Basis eines biopsychosozialen Schmerzmodells,
- körperliche Aktivierung: Ausdauer, Funktionstraining, Gymnastik (Trocken- und Wasser-),
- Entspannung,
- psychotherapeutische Behandlungsmaßnahmen (Einzel-/Gruppentherapie),
- Stressbewältigung und
- Ergotherapie
Es wurde der Unterschied zwischen Nozizeptor-Schmerz (Gewebeschmerz) und den neuropathischen Schmerzsyndromen (Nervenschmerz), sowie der Weg der Schmerzempfindung und der Schmerzentstehung zum Gehirn erklärt.
Er stellte uns René Descartes, einen französischen Philosophen aus dem 17. Jahrhundert vor. Dieser formulierte ein erstes Konzept zur Entstehung von Schmerz, aus naturwissenschaftlicher Grundlage. Er stellte sich den menschlichen Körper als eine Art Maschine vor, in der Schmerz als direkte Reaktion auf körperliche Schäden verstanden wird. Nach seiner Modell wird Schmerz durch Schmerzrezeptoren im Körper registriert und als Signal an das Gehirn gesendet, dieses führt zum Schmerzempfinden.
Und auch Margo McCaffery war eine Pionierin im Bereich des Schmerzmanagements. Sie ist bekannt für ihre Definition von Schmerz als das, was die betroffene Person sagt, dass es ist. Sie trug unter anderem zur Entwicklung des biopsychosozialen Modells bei. Es gibt Smartphone-Apps, die als erstattungsfähige DIGAs anerkannt und gelistet sind. Sie beinhalten einige Elemente, die uns im Alltag unterstützen können. Außerdem kann das Wohlbefinden der Betroffenen durch soziale Unterstützung verbessert werden. Zum Schluss sahen wir noch einen Film über Schmerz und konnten unsere Fragen stellen. Es war ein toller Vortrag und wir danken Dr. Nelles und Dr. Ruch :)
Silke Hanneke
Schriftführerin
DiGA – Digitale Gesundheitsanwendungen.
Versicherte haben Anspruch auf Versorgung mit digitalen Gesundheitsanwendungen, auch DIGA genannt. Diese werden entweder vom behandelnden Arzt oder Psychotherapeuten verordnet oder können direkt bei der Krankenkasse beantragt werden.