SHG Arnstadt - AOK-Projektförderung Auszeit im Kloster Lehnin im September 2020

|   Optimisten 01/2021

Ein Jahr Vorbereitungszeit! Mit einigen Hindernissen, doch optimistisch hatten wir 2019 den Plan geschmiedet, zum 4-jährigen Bestehen unserer Selbsthilfegruppe eine gemeinsame Auszeit mit unseren Angehörigen im Kloster Lehnin zu verbringen – Seele baumeln lassen, Körper entspannen, sich besser kennen- und schätzenlernen, sich verwöhnen lassen und neue Impulse bekommen.

Rechtzeitig zum Jahresanfang 2020 war das Projekt erarbeitet und bei der AOK eingereicht. Nun darf aber niemand denken, super, wir brauchen nur den Bescheid abzuwarten. Die Förderrichtlinien waren geändert und alle hatten mit der Umsetzung bzw. Verständigung zu tun. Anfang April noch immer keine Aussage. Auch im Kloster sind die Plätze an den Wochenenden beliebt und schnell ausgebucht, da war schon mal vorsorglich reserviert worden.

Enttäuschung als die Förderbestätigung für 2020 kam:
Noch nicht mal ein Viertel der beantragten Pauschalförderung genehmigt, geschweige überhaupt Projektförderung. Mit viel Zeiteinsatz wurden von der Gruppenleitung Schriftstücke erarbeitet, Telefonate geführt und mit Engelszungen geredet – endlich der Brief mit voller Fördersumme!

Nun kam das nächste Dilemma: Corona. Doch wir hatten Glück im Unglück – im September war fast alles wieder möglich. Und los ging's mit viel Vorfreude auf den Klosterort Lehnin, der uns die ganze Zeit mit Sommerwetter verwöhnte, historischen Zimmern zur Nacht und mit einem hellen Seminarraum. Das Klostergelände war die Wucht - viele alte Bäume, Ruinenambiente und Streuobstwiesen inklusive. Unsere Referentinnen sorgten für AHA-Erlebnisse und unsere selbst gestalteten Aktionen mit Schwungtuch, Schweigelauf, Stille auf der Wiese und Vielem mehr hat alle enorm begeistert und entspannt. Nicht einmal haben wir über Fibromyalgie gesprochen!

Es tat allen gut und für dieses Jahr 2021 ist sicher, ein neues großes Projekt können wir hoffentlich wieder mit Unterstützung der AOK und/oder anderer Kassen angehen. Es lohnt sich, auch Ablehnungen noch mal zu hinterfragen und den Mitarbeitern der fördernden Kassen die besondere Situation für eine Förderung nahezulegen. Besonders nach der langen auferlegten Corona-Ruhezeit ist es besonders wichtig: gemeinsam vorbereiten – gemeinsam erleben, unser nächster Projektantrag ist zur Förderung unterwegs!

Im Optimisten 4/20 hatten wir schon mal kurz berichtet mit dem „Resümee“ unserer Astrid. Hier noch ein paar Gedanken unserer Teilnehmerinnen für uns alle zur Erbauung:

Geschichte des Klosters
Da wir uns an einem geschichtlich interessanten Ort aufhielten, wollten wir auch das Gelände erkunden. Das Zisterzienserkloster wurde 1180 gegründet. Im 15. Jahrhundert war es ein bedeutender Ort der Gelehrsamkeit, mit einer Klosterschule und einer hervorragenden Bibliothek. Mit der Säkularisation 1542 verlor es seine Bedeutung und wurde in einen Gutshof umgewandelt. Im 30-jährigem Krieg wurde die Anlage verwüstet. Danach wurde ein Teil der Anlage zum Jagdschloss umgebaut. Die Rekonstruktion der verfallenen Klosterkirche erfolgte erst im Jahr 1870. Die dreischiffige Pfeilerbasilika weist sowohl spätromanische als auch frühgotische Formen auf. Nach der Rekonstruktion zogen Diakonissen in die ehemalige Klosteranlage. Heute betreibt das Evangelische Diakonissenhaus Berlin Teltow Lehnin u.a. ein Krankenhaus, eine Klinik für geriatrische Rehabilitation, ein Hospiz und ein Pflegezentrum.

Mit dem Ensemble aus Kirche, Klausur, Wirtschaftshof mit Brauhaus und Weinkeller, Kornhaus, Scheunen, sowie Torkapelle und ehemaligem Hospital findet man, wenn auch immer wieder verändert, doch eine recht vollständige Klosteranlage vor. Die Räume werden heute als Bildungs- und Beherbergungsstätte genutzt.

Wir durften während unserer Auszeit die Annehmlichkeiten und die Ruhe im Kloster genießen. Diesen Platz kann man immer wieder für eine Auszeit nutzen.
Anke

Physiotherapeutin Sabine Hühner
Wir fanden es schön, dass Frau Hübner die Einladung angenommen hat, um uns ein paar Eindrücke zum Thema Schmerzen zu übermitteln. Es war für uns sehr interessant und lehrreich. Begonnen haben wir mit einem Tanz, der uns viel Spaß bereitet hat. Alle wurden ein bisschen lockerer und die frische Luft dazu hat uns sehr gutgetan. Die Physiotherapeutin zeigte uns verschiedene Druck-Punkte, die wir selbst drücken können, um unseren Schmerz etwas zu lindern. Verschiedene Techniken wurden auch an uns ausprobiert. Die Feldenkreis-Übung im Freien auf Stühlen, war auf jeden Fall noch einmal eine Bereicherung für uns.
Rosi

Bewegung und Spaß mit dem Schwungtuch
Im Gepäck für unsere Auszeit hatten wir ein Schwungtuch und ein Sortiment Softbälle, die wir eigens zur Förderung der Bewegung und des Miteinanders in der Gruppe angeschafft hatten. Nach einer Phase des intensiven Arbeitens legten wir eine Bewegungspause mit dem Schwungtuch ein. Wir suchten uns ein Plätzchen auf der Wiese und schon konnte es losgehen:

Jeder suchte sich zwei Schlaufen zum Festhalten und durch das Auf und Ab der Arme kam das Tuch in Bewegung. Mal wurden die Arme nach oben gestreckt oder in die Tiefe gehalten, mal waren die Bewegungen ganz sachte bzw. heftig und mit Power. Das wechselnde Auf und Ab erzeugte Wellen, die durch gezielte Ansagen zu hohen oder kleinen Wellen wurden. Sehr effektvoll war auch, durch versetzte Bewegungen „La-Ola-Wellen“ zu erzeugen. Ruhiger wurde es dann, als wir das Tuch von Hand zu Hand ohne Loslassen und mit Richtungswechsel gleiten ließen. Gewechselt wurde auch, indem zwei Teilnehmer die Plätze unter dem Tuch hindurch miteinander tauschten. Zum Schluss konnte jeder, der es wollte, ausprobieren, wie es sich anfühlt, den Luftzug zu spüren, den das Tuch durch die Bewegung erzeugte.

Am nächsten Tag probierten wir dann Übungen mit den Bällen aus. Das Tuch wurde zeitversetzt in Bewegung gebracht und ein Ball sollte so über die Wellen surfen, ohne herunterzurollen. Dann versuchten wir durch gezielte Bewegungen den Ball in der Mitte des Tuches verschwinden zu lassen. Etwas schwieriger wurden die Übungen durch den Einsatz von mehreren Bällen, aber auch durch die Änderung der Bewegungsrichtung. Zum Schluss legten wir alle unsere mitgebrachten Gegenstände auf das Tuch. Diese mussten dann mit mehr oder weniger intensiven Bewegungen nach draußen katapultiert werden. Ein Teilnehmer hatte die Aufgabe, diese immer wieder ins Tuch zurückzuwerfen. Leider hatte der „Aufleser“ keine Chance gegen die Gruppe und somit das Spiel verloren.

Wir haben festgestellt, dass sich mit dem Schwungtuch, einfache und effektive Übungen zur Förderung der Motorik umsetzen lassen. Dabei steht nicht der Übungscharakter im Vordergrund, sondern mehr die Freude an der gemeinsamen Aktivität – die Bewegung geschieht ganz nebenbei.
Gudrun

Hallo, ihr Lieben,
heute möchte ich euch mal kurz erzählen, wohin es mich im September 2020 verschlagen hat. Ihr werdet es nicht glauben, aber so ein paar nette, liebe Leute haben mich doch zu so einem „Kurztripp“ mit nach Lehnin genommen, um mal so richtig die Seele baumeln zu lassen. Ihr könnt mir glauben, wenn ich sage, dass mir das so richtig gutgetan hat. Erstens bringe ich wo ich auftauche -immer gute Stimmung in die Runde- denn viele erkundigen sich nach mir. Da freue ich mich immer besonders darüber. Und zweitens war das ein wundervolles Wochenende. Wie z.B. die Stunden mit unserer Therapeutin, die uns viel Wissenswertes über unseren Körper vermittelt hat oder die kleinen Spaziergänge und die Übungen mit dem Schwungtuch (nur das nächste Mal mich bitte nicht ganz so schlimm durchwirbeln!).

Alles in allem ein gelungenes Wochenende. Ich hoffe nur, dass ihr mich bei eurem nächsten Treffen und einer eventuellen Auszeit nicht vergessen werdet und freue mich schon heute darauf!

Eure Frau Fröhlich
Andrea

Christina Petzold
Gruppensprecherin