Sozialer Stress durch Corona-Quarantäne

Solidarität unterstützt den Optimismus, der gerade jetzt notwendig ist

Zu normalen Zeiten ist die penetrante Nähe zu Mitmenschen ein unversiegbarer Quell für sozialen Stress. Dann erscheint Alleinsein oft als erholsamer Rückzug und willkommene Gelegenheit Ruhe zu genießen. Derzeit, unter den Bedingungen der Corona-Epidemie bewirkt die aus Verantwortung selbstgewählte oder durch die Behörden vorgeschriebene Distanz zu anderen Menschen (social distancing) jedoch dauerhafte Isolation. Doch Menschen sind auf Sozialkontakte angewiesen. Die erzwungene Einsamkeit provoziert Stress - nicht abrupt, sondern schleichend ansteigend.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin (DGPM) gibt Tipps wie man unter diesen Bedingungen die seelische Gesundheit aufrechterhalten kann: „Auch wer derzeit keiner Arbeit nachgeht, sollte seinen Alltag strukturieren, etwa mit fes­ten Aktivitäts-, Ruhe- und Schlafenszeiten. Gesucht werden sollten sinnvolle Aktivi­täten wie körperliche Betätigung und Bewegung an der frischen Luft.“

Die Selbsthilfegruppen der DFV können sich derzeit nicht treffen, aber die Mitglieder können sich gegenseitig anrufen: „Die Fachgesellschaft rät, Internet und Telefon zu nutzen, um die Verbindung zu Freunden und Familie aufrecht zu erhalten.“ Kennen alle Mitglieder die Telefonnummern oder Emailadressen der Gruppenmitglieder? Gerade bei Menschen mit Fibromyalgie kann es hilfreich sein, ein Telefonat zuvor per Email oder WhatsApp anzukündigen. Niemand kann wissen, ob der angewählte Gesprächspartner heute einen Guten Tag erlebt oder einen Schlechten Tag durchleidet, an dem er lieber nicht plaudern möchte. Unter engen Freunden wird ein rascher Gesprächsabbruch verstanden und als aktuelle Unpässlichkeit akzeptiert. Eine Zurückweisung unter lockeren DFV-Bekanntschaften, denen man mit einem Anruf Gutes tun wollte, kann dagegen zu Missverständnissen führen. Das wäre für alle Beteiligten schade; eine Ankündigung und Warten auf Antwort kann es verhindern.

Bei besonders zurückhaltenden Gesprächspartnern oder Menschen ohne moderne Kommunikationsmedien ist das direkte Telefonat wahrscheinlich die einzige Möglichkeit der sozialen Aufmunterung. Gerade dieser Personenkreis bedarf der solidarischen Unterstützung durch Menschen, die ihren speziellen Leidensdruck aus eigener Erfahrung verstehen. Der positive Effekt, den man mit einem Telefonat bei diesen Menschen erreichen kann ist das Risiko, zu einem ungünstigen Moment anzurufen, allemal wert.

Mit optimistischen Grüßen

Für den Vorstand der DFV Eure Bärbel Wolf