WHO definiert Burnout

„Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Burnout erstmals offiziell als Krankheit anerkannt.“ liest man derzeit auf vielen Nachrichtenseiten. Doch tatsächlich steht in der WHO-Meldung: Burn-out ist (… ein) berufliches Phänomen, es ist nicht als ein medizinischer Zustand eingestuft. Es wird im Kapitel „Einflussfaktoren auf den Gesundheitszustand oder den Kontakt mit Gesundheitsdiensten“ beschrieben. Darin sind Gründe aufgeführt, aus denen Personen mit Gesundheitsdiensten in Kontakt treten, die jedoch nicht als Krankheiten oder Gesundheitszustände eingestuft werden.

Nach dieser neuen Definition ist Burnout ein Syndrom (Kombination mehrerer Symptome, die typischerweise gleichzeitig und gemeinsam auftreten), das als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz auftritt. Insofern beschränkt sich Burnout auf Phänomene im beruflichen Kontext und sollte auch nicht zur Beschreibung von Erfahrungen in anderen Lebensbereichen angewendet werden. Sozialer Stress oder Überlastung durch Aufgaben in der Familie, wie Kindererziehung oder Pflege von Hilfsbedürftigen, können nach dieser Definition nicht zu einem Burnout führen.

 

Für Menschen mit Fibromyalgie ist diese enge Auslegung eine Enttäuschung, da mit dem Begriff Burnout die chronische Überlastung durch Ansprüche aus Beruf, Familie und dem weiteren sozialem Umfeld gut zu beschreiben wäre.

 

WHO: Burn-out an "occupational phenomenon": International Classification of Diseases. Online veröffentlicht 28.05. 2019.

 

Andere Interpretation des WHO-Textes auf den Nachrichtenseiten

Welt-Online: Weltgesundheitsorganisation erkennt Burn-out als Krankheit an

Spiegel-Online: WHO definiert Burn-out erstmals als Syndrom