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Placebo kann helfen, aber nicht heilen

Die FAZ widmet sich in einem lesenswerten Artikel dem Placebo-Phänomen. Anschauliche Beispiele zeigen Chancen und Grenzen der Wirksamkeit von Scheinmedikamenten. Oftmals bedarf es der Erfahrung mit echten Wirkstoffen, damit Placebos wirken können. In seiner Schlußbetrachtung erläutert der Autor den hilfreichen Effekt eines einfühlsamen Arzt-Patienten-Gesprächs.

In einer der zitierten Studien (Meissner, Linde 2013) reagierten 19% der Menschen mit Fibromyalgie mit einer merklichen Symptomreduktion auf Placebo. Dabei wirkte sich eine höhere initiale Schmerzintensität negativ auf den Effekt aus. Je schwerer das Fibromyalgiesyndrom die Lebensqualität der Patienten bereits belastet, um so geringer ist der potentielle positive Placeboeffekt. Insofern ist der Einwand der zitierten Autorin grundsätzlich beachtenswert: „Das Wort Heilung würde ich im Zusammenhang mit Placebos nicht in den Mund nehmen“, sagt Karin Meißner.

Weitere Zitate aus dem Artikel:

Dafür fühlen sich die Patienten definitiv besser. (… So) kann allein der Glaube an den Erfolg einer Behandlung noch die Lebensqualität heben. Wahrscheinlich muss man auch aus diesem Grund gerade den Schmerz als Paradedisziplin der Placebos ansehen. Nach einer Sham-Akupunktur (Placebo = Nadeln werden an Stellen platziert, die nicht der Akupunkturlehre entsprechen) beispielsweise werden auf einer Schmerzskala Werte angegeben, die 75 Prozent des Effektes von nichtsteroidalen Antirheumatabletten wie Diclofenac entsprechen. Und das nicht nur für ein paar Wochen, bei Schmerz ist eine langfristige Scheintherapie manchmal auch monatelang erfolgreich.

„Den Placeboeffekt als solchen gibt es eigentlich nicht, darüber ist man sich in der Forschung weitestgehend einig“, sagt Klaus Linde (Institut für Allgemeinmedizin der Technischen Universität München). Er sei eher als neurobiologisches Phänomenen anzusehen, das eng mit dem Setting der Therapie und der Interaktion zwischen Arzt und Patient verbunden ist. Das heißt: Milchzuckerpillen und Akupunktur übertragen nur die Wirkung des Heilrituals auf den Kranken. (…) Ganz durchschaut ist das alles noch nicht. Aber es lehrt auch so schon eines: Es gibt nicht nur die Wissenschaft der Medizin, es gibt auch eine Kunst des Heilens. Die Erfolge und Misserfolge seiner Therapien hat sich ein Arzt schon aus diesem Grund oft genug selbst zuzuschreiben.

Quellen:

Brendler, M. (2018): Der Schein hat Grenzen. Frankfurter Allgemeine Zeitung - Online; veröffentlicht am 25.02. 2018.

Meissner, K.; Linde, K. (2013): Krankheitsspezifische Ausprägung von Placeboeffekten - Expertise für die Bundesärztekammer, veröffentlicht 31.3. 2013.