Risikoverhalten: Patienten flunkern in der Praxis

Für eine sichere Diagnose und eine erfolgreiche Therapie sind Ärzte auf die Mitwirkung der Patienten angewiesen. Das gilt besonders für das Fibromyalgiesyndrom. Wenn Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren sowie Funktionsprüfungen ohne Befund bleiben, ist die Beschreibung der Beschwerden durch den Patienten die wichtigste Informationsquelle. Sie muss daher präzise und vollständig sein - Scham und Sorge um den „guten Eindruck“ verführen zum Flunkern.

Ein aktueller Artikel auf Welt-Online bezieht sich auf eine wissenschaftliche Veröffentlichung aus dem November 2018 und befragt mehrere Mediziner zu dem dabei festgestellten Problem. Viele Patienten (rund 60%) verschweigen ihrem behandelnden Arzt wichtige Informationen, oder verfälschen sie:

  • Nachlässigkeit oder eigenmächtige Veränderung bei der Medikamenteneinnahme
  • Experimente mit Nahrungsergänzungsmitteln, functional food oder Verzichtsdiäten
  • Intensität und Häufigkeit des Konsums stimulierender oder berauschender Substanzen
  • Optimistische Einschätzung des Sport-Engagements oder der Ernährungsdisziplin

In den Statements deutscher Ärzte, in der Mehrzahl Chefärzte aus Kliniken, wird das notwendige Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Arzt beschworen und der Zeitmangel beim Gespräch beklagt. So schließt der Text mit dem Tipp: „Wenn man seinem Hausarzt nicht vertraut oder dieser sich nicht genug Zeit nimmt, sollte man sich einen neuen suchen.“

Lanzke, A. (2019): Die meisten Patienten lügen ihre Ärzte an. Welt Online Gesundheit, online veröffentlicht 27.01. 2019

Levy, A.G. et al. (2018): Prevalence of and Factors Associated With Patient Nondisclosure of Medically Relevant Information to Clinicians. Journal of the American Medical Association, JAMA Network Open 1 (7): e185293. doi:10.1001/jamanetworkopen.2018.5293