Wie man mit Schlafapnoe und Fibromyalgie lebt

Der Artikel vom August 2018 widmet sich einem schwerwiegenden Problem von Menschen mit Fibromyalgie: Der schlechten Schlafqualität. Doch schon der Einstieg ins Thema überzeichnet mit der Behauptung „Fibromyalgie und abnorme Schlafatmung gehen häufig Hand in Hand.“ und irrt dann „Schlafapnoe wird als mögliche Ursache oder beitragender Faktor für FMS angesehen, und FMS kann Ihr Risiko für Schlafapnoe erhöhen.“

Menschen mit Schlafapnoe unterbrechen während des Schlafs den Atmemrhythmus. Die Atempausen dauern durchschnittlich 20 bis 30 Sekunden, können aber auch minutenlang anhalten. Akuter Sauerstoffmangel lässt die Betroffenen dann - oftmals geräuschvoll - nach Luft schnappen. Dabei wird der Schlaf unterbrochen, Tiefschlafphasen werden gestört, die Schlafqualität sinkt, der Schlaf ist nur wenig erholsam, tagsüber quält anhaltende Müdigkeit, das Risiko für unkontrolliertes Einnicken auch während eines Gesprächs oder beim Autofahren steigt.

Die aktuelle S3-Leitlinie Nr. 145/004: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Fibromyalgiesyndroms (2. Aktualisierung, 2017) kann keinen wechselseitigen kausalen Ätiologie-Zusammenhang (Ursache der Erkrankung) erkennen. Vielmehr weisen die Autoren darauf hin, dass die ACR 2010 Kriterien der amerikanischen Gesellschaft für Rheumatologie und die modifizierten 2011-Kriterien erhebliche Probleme der Operationalisierung aufweisen und dabei nicht hinreichend zuverlässig „ähnliche Erkrankungen“ unterscheiden wie beispielsweise „mittelgradige Depression oder ein obstruktives Schlafapnoesyndrom“. Dies ist die einzige Nennung von Schlafapnoe in der gesamten Leitlinie - und entspricht einem Hinweis auf eine konkurrierende Erkrankung im Rahmen der Ausschlußdiagnose. Als typisches FMS-Symptom gelten jedoch Schlafstörungen, nicht erholsamer Schlaf, Müdigkeit tagsüber und Merk- und Konzentrationsstörungen.

Menschen mit Fibromyalgie leiden unter Tagesmüdigkeit, doch die Ursache ist nicht Schlafapnoe. Andererseits können auch Menschen mit Fibromyalgie zusätzlich von einer Schlafapnoe betroffen sein. So sind etwa 80% aller Patienten mit Schlafapnoe übergewichtig und viele Menschen mit Fibromyalgie leben aufgrund ihrer Medikamente und der schmerzbedingten Bewegungseinschränkung mit einem höheren Körpergewicht.

 

Inzwischen ist der hier besprochene Artikel von der Webseite fibrocommunity.com gelöscht. Offensichtlich sammelt diese Webseite fremdsprachige Artikel und postet von Computern erstellte Übersetzungen, unter anderem auch auf deutsch.

 

Eine Studie, die speziell diesen Zusammenhang untersuchte kommt zu dem Schluß: Da unter den Schlafapnoe-Patienten (sleep-disordered breathing, SDB) das Fibromyalgiesyndrom (FMS) unterrepräsentiert war, erkennen wir keine pathophysiologische Parallele zwischen FMS und CFS (chronic fatigue Syndrom).

Pejovic, S. et al. (2015): Chronic fatigue syndrome and fibromyalgia in diagnosed sleep disorders: a further test of the ‘unitary’ hypothesis. BMC Neurology 15: 53. DOI: 10.1186/s12883-015-0308-2.

Auch eine aktuelle Studie betont den Einfluß schlechter Schlafqualität und deren Auswirkung (z.B: Müdigkeit während der Wachphase am Tag) auf die Fibromyalgiesymptome - und nicht umgekehrt:

Andrade , A. et al. (2018): The relationship between sleep quality and fibromyalgia symptoms. Journal of Health Psychology, online veröffentlicht am 08.01. 2018. DOI: 10.1177/1359105317751615