Muskelschmerz durch Cholesterinsenker

Auch Menschen mit Fibromyalgie entwickeln mit fortschreitender Biographie alterstypische Herz-Kreislauf-Risiken, beispielsweise einen erhöhten LDL-Cholesterinspiegel (low-density-lipoprotein); darin unterscheiden sie sich nicht von ihren Altersgenossen. Um den Cholesterinspiegel dauerhaft auf ein langfristig weniger gesundheitsschädliches Niveau einzustellen, verschreiben Ärzte spezielle Medikamente, die Cholesterinsenker aus der Stoffgruppe Statine (Simvastatin, Fluvastatin, Pravastatin, Atorvastatin). Diese Medikamente sind bewährt und werden von den meisten Patienten auch als Dauertherapie gut vertragen. Menschen mit Fibromyalgie müssen jedoch auf eine gar nicht so seltene Nebenwirkung achten: In der klinischen Praxis und in Beobachtungsstudien berichten 10 – 30 % der Patienten von Muskelschmerzen, die in ihrer Schmerzcharakteristik dem Fibromyalgieschmerz ähneln.

Die Symptome einer Statin-Myopathie (Statin-Related Myopathy, SRM) bewirkt Muskelschmerzen (Myalgie), die FMS-Patienten an eine akute Fibromyalgie erinnern: allgemein erhöhte Schmerzempfindlichkeit, Schmerzen in mehreren Muskeln in beiden Körperhälften, Sehnenschmerzen, Muskelschwäche, Muskelsteifheit, Krampfgefühl. Zudem zeigte ein Experiment an Mäusen, dass während einer Behandlung mit Statinen kein positiver Trainingseffekt mehr festgestellt werden kann. Einerseits verloren die Tiere das Interesse am Training im Laufrad, andererseits bewirkte die verbliebe Sportaktivität keine Verbesserung des Muskelstoffwechsels. Schon länger ist bekannt, dass Sportler bereits bei niedriger Statin-Dosierung eine nachhaltige Ermüdung der Muskulatur feststellen und die sportliche Leistungsfähigkeit zurück geht. Werden die  Statine abgesetzt, verschwinden die Beeinträchtigungen alsbald. 

Menschen mit Fibromyalgie, die zur Verbesserung ihrer Herz-Kreislauf-Gesundheit Cholesterinsenker einnehmen, sollten daher in Absprache mit ihrem Arzt prüfen, ob die Therapie ihre Symptome verstärkt - die Schmerzen in Muskeln und Sehnen, die quälende Antriebslosigkeit, das Risiko für Übergewicht aufgrund von motivationsbedingtem Bewegungsmangel. Diese Beschwerden können bei entsprechender persönlicher Veranlagung durch Statine verstärkt werden. Auf keinen Fall sollte man die Medikamente eigenmächtig absetzten. Das zusätzliche Risiko für ein ernsthaftes Herz-Kreislauf-Ereignis wäre wahrscheinlich zu hoch. 

Im ersten Schritt prüft der Arzt, ob man überhaupt zum Kreis der SRM-Betroffenen zählt, im zweiten Schritt können andere Statine ausprobiert werden, erst im dritten Schritt werden weitere Therapieoptionen geprüft. Sollte eine SRM-Belastung vorliegen, kann sich eine spürbare Entlastung bei mehreren FMS-Symptomen einstellen.

 

Quellen

Chung, H.R. et al. (2016): The Impact of Exercise on Statin-Associated Skeletal Muscle Myopathy. PLoS One 11(12): e0168065. DOI: 10.1371/journal.pone.0168065

Golomb, B.A. et al. (2012): Effects of Statins on Energy and Fatigue With Exertion: Results From a Randomized Controlled Trial. Archives of Internal Medicine 172 (15): 1180 - 1182. DOI:10.1001/archinternmed.2012.2171

Laufs, U. et al. (2015): Behandlungsoptionen bei Statin-assoziierten Muskelbeschwerden - Treatment options for statin-associated muscle symptoms. Deutsches Ärzteblatt 112 (44): 748 - 755. DOI: 10.3238/arztebl.2015.0748

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