Selbsthilfegruppe Hilden-Haan

|   Optimisten 04/2016

Das Funktionstraining und das „Wohl-Weh“

Eine Selbsthilfegruppe, die Funktionstraining anbietet, kann sich glücklich schätzen. Sie gibt ihren Mitgliedern nämlich die unschätzbare Gelegenheit, den Slogan „Bewegung ist alles!“ praktisch umzusetzen.

Was ist Funktionstraining?

Im Gegensatz zu Reha-Sport oder den üblichen Gymnastikkursen, in denen der Schwerpunkt meist auf Muskelkräftigung und Ausdauer liegt und oft ein Leistungs- und Gruppendruck besteht, nimmt das Funktionstraining gezielt Einfluss auf unsere Schmerzen.

„Das Funktionstraining nutzt besonders Mittel der Krankengymnastik und/oder der Ergotherapie, um gezielt auf spezielle körperliche Strukturen wie Muskeln oder Gelenke einzuwirken. Ziel ist unter anderem der Erhalt und die Verbesserung von Funktionen einzelner Organsysteme oder Körperteile und das Hinauszögern von Funktionsverlusten.“

Wie beantrage ich Funktionstraining?

Das spezielle Antragsformular (Vordruck Nr. 56, erhältlich beim Arzt oder online bei der Kassenärztlichen Vereinigung) kann von jedem Arzt ausgefüllt werden. Der Patient reicht es bei seiner Krankenkasse ein, die die Kostenübernahme bestätigt. Das Formular wird dann beim Therapeuten abgegeben, der direkt mit den Krankenkassen abrechnen kann. Oder jemand aus der Gruppe wickelt die Abrechnung zentral mit dem DMRZ (Deutsches Medizinisches Rechenzentrum) ab. Sinnvoll ist es, 2 Jahre zu beantragen und genehmigen zu lassen. Nach Ablauf dieser Zeit ist eine Folgeverordnung möglich, die bei entsprechender Begründung nicht abgelehnt werden darf!

Was viele nicht wissen: In einigen Bundesländern, z.B. in NRW, können wir uns Funktionstraining und Rehasport  gleichzeitig vom Arzt verordnen lassen - und zwar budgetunabhängig - und beide Behandlungsmethoden durchführen. Die Krankenkassen tragen die Kosten komplett!

Darüber hinaus ist immer noch kassenabhängig eine Verordnung von Lymphdrainage, Krankengymnastik, Manueller Therapie, Massage usw. möglich.

Wie kann eine Gruppe Funktionstraining anbieten?

Sie klärt das Wo und Wann und sucht sich eine/n Trainer/in. Eine Turnhalle oder einen Gymnastikraum braucht man nicht, meist reicht der Raum, in dem man sich eh als Gruppe trifft. Die DFV bietet Fortbildungen zur Trainerausbildung an. Diese Zusatzausbildung ist Voraussetzung um Funktionstraining durchzuführen. Die Genehmigung muss über die Geschäftsstelle bei den Kassen eingeholt werden.

Alle Auskünfte über Marita Frey-Kapaun in der Geschäftsstelle.

Funktionstraining bei uns in Haan

Wir bieten nun schon im 5. Jahr Funktionstraining an, das sehr beliebt und gut besucht ist. In den Räumen der AWO Haan, in denen wir uns regelmäßig treffen, schaffen wir Platz, indem wir Tische und Stühle beiseiteschieben.

Unsere Trainerin, Stefanie Gierling, ist Diplom-Sportwissenschaftlerin mit einer

Zusatzausbildung für Fibromyalgie. Sie kennt unsere Möglichkeiten und Grenzen, aber darauf achten muss schon jeder selbst. Sie ermutigt uns „Ich darf - aber ich muss nicht. Jeder so wie er/sie heute kann.“ Oder wie wir es sagen: „Wohl-Weh ist gut, Weh-Weh soll nicht sein!“

Ein Training ohne Leistungsdruck, das Gefühl, sich selbst etwas Gutes zu tun, Freude an der Bewegung, leichtes Ausdauertraining, spielerische Muskelspannung, Dehnung und Entspannung, Atem- und Mentaltraining, begleitet von passender Musik, helfen,  den Schmerz positiv zu beeinflussen. In Abhängigkeit vom jeweiligen körperlichen Zustand (Beschwerdebild, Alter, Fitnessgrad, persönlichen Vorlieben) wird die Therapie mit einer abwechslungsreichen, aufbauenden und ausgleichenden Bewegungsabfolge durchgeführt. Nach einer ersten Aufwärmphase werden gezielte Übungen durchgeführt, die den Verspannungen und Fehlhaltungen entgegenwirken. Dehnungen erfolgen dann im Anschluss an den muskelaufbauenden Teil.

Eine Verbesserung der Koordination der Muskulatur, und damit auch eine sensiblere Körperwahrnehmung, begünstigen ein besseres Körpergefühl und einen entspannteren Umgang mit den Beschwerden.

Unser Training ist lustig und ernsthaft, lebhaft und ruhig, entspannend und anstrengend. Die eigenen Grenzen sind auch tagesformabhängig, sie gilt es zu spüren und zu beachten. Ohne unser Funktionstraining würde uns etwas fehlen, das gemeinsame Stöhnen, Lachen und Schwitzen, das Gefühl, etwas für die Verbesserung unserer Lebensqualität getan zu haben und das Zusammengehörigkeitsgefühl in unserer Selbsthilfegruppe.

Gudrun Klempau
Gruppensprecherin