Craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) und die Entstehung von Fibromyalgie

|   Optimisten 01/2017

Dr. med. dent. Stefanie Morlok

Die Entstehung von Fibromyalgie gilt auch heute noch als unbekannt. Beschäftigt man sich jedoch länger mit anatomsichen Zusammenhängen und gewebsspezifischen Verbindungen, so kann man logische Schlüsse auf die Entstehung von Schmerzen im ganzen Körper ziehen. 

Kommt es zu Verklebungen und falscher Positionierung im Gewebe, so kann es zu Schmerzen kommen. Faszien und Bindegewebe können sich leicht, sind sie in einer falschen Position und werden nicht entsprechend bewegt, verkleben und können andere Strukturen blockieren. Natürlich sind hiervon auch Nerven oder Muskulatur betroffen. 

Die Entwicklung von chronischen Schmerzen ist multifaktoriell zu betrachten, meist sind strukturelle, stoffwechselbezogene und psychosomatische Faktoren ausschlaggebend. Aus diesem Grund muss auch multifaktoriell behandelt werden. 

Die Fehlstellung der Zähne und der Kiefer wird weit als Ursache für ganzkörperliche Probleme unterschätzt. Allein die Fehlstellung gilt noch nicht als Krankheit, sobald sie aber Symptome auslöst, spricht man von einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD), zahnärztlichen Funktionsstörung, Kiefergelenkserkrankung etc. 

Die craniomandibulären Dysfunktionen (CMD) sind verbreiteter als man annehmen möchte. Epidemiologisch kann man von 10-13 % Erkrankten ausgehen. Leider wird die CMD selten gleich als solche erkannt. Meist durchleiden die Betroffenen jahrelange oft sogar jahrzehntelange Leidenswege mit unzähligen falschen Diagnosen und erfolglosen Therapien. Das liegt daran, dass weder Zahnärzte noch Ärzte in diesem Fachbereich in Deutschland ausgebildet sind. 

In den USA und anderen Ländern gibt es seit einigen Jahrzehnten zahnärztliche Spezialisten, die nur CMD, bzw. zahnärztliche Funktionsstörungen behandeln. In Deutschland sind wir davon leider noch weit entfernt. Es gibt einzelne Zahnärzte, die sich in die Materie eingearbeitet haben. Meist führen sie aber normale Zahnarztpraxen und bieten die Behandlung von CMD nur am Rande an. Dies ist aber schwierig, da die Patienten sehr komplexe Krankheitsbilder aufweisen und große Aufmerksamkeit benötigen. 

Was sind überhaupt CMD, craniomandibuläre Dysfunktionen? Das sind Kopf-, Gesichts- und Körperschmerzen oder andere funktionelle Störungen und Symptome durch einen falschen Biss. Kurz gesagt: Akute und chronische Schmerzen und Fehlfunktionen im Craniomandibulären System (Cranium = Schädel, Mandibula = Unterkiefer). 

Welche Symptome deuten auf CMD hin? Die häufigsten Symptome bei CMD sind Schmerzen der Zähne, Gesichtsschmerzen oder Gesichtsverspannungen, Kopf- und Nackenschmerzen, Rückenschmerzen, andere körperliche Schmerzen, deren Ursache nicht gefunden werden können, Fehlfunktionen und unerklärbare Verletzungen am Körper.

In der englischen Sprache wird die CMD als „big imposter“ bezeichnet, was so viel bedeutet wie „großer Betrüger“. Dies kommt daher, da viele Symptome anfangs nicht auf eine Erkankung des Kausystems hinweisen. So können auch folgende Symptome von einer CMD herrühren:

  • Mundraum: Zahndefekte/-schmerzen, Zahnwanderung/-lockerung, Zahnabrieb, zurückgehendes Zahnfleisch, Kiefergelenkschmerzen/-knacken, Zahnverlust
  • Kopf: Morgendliche Verspannung, Kopfschmerzen, Zungenbrennen/-taubheit, Gesichtsschmerzen, Nackensteifigkeit/-schmerzen, Druck auf dem Kopf, Berührungsempfindlichkeit von Haaren und Kopfhaut
  • Hals-Nasen-Ohren: Ohrgeräusche/-schmerzen, Tinnitus, Hörminderung, Ohr “zu” oder juckend, Schwindel, Schluckbeschwerden, Heiserkeit, Halsschmerzen, Räuspern, Sprachstörung, Stimmveränderung, Kloß im Hals
  • Augen: Augenflimmern, Schmerzen hinter den Augen, Doppeltsehen, Lichtempfindlichkeit, Sehstörungen
  • Körper: Schulter-, Gelenk-, Rückenschmerzen, Taubheitsgefühl in Armen oder Fingern
  • Psyche: Stress, Unruhe, Depression, Unentschlossenheit, Schlaflosigkeit

Deutliche Erkennungsmerkmale für CMD sind Kiefer- und Zahnfehlstellungen, Verspannungen und Schmerzen im Kopf- und Gesichtsbereich, Kiefergelenks-geräusche, Abweichung des Unterkiefers beim Öffnen des Mundes, Schmerzen beim Abtasten vor dem Ohr bzw. um das Ohr herum, Gesichtsasymmetrie (z.B. auch verschieden große Augen etc.), Zähne beißen sehr tief ineinander, extrem eckiger Kieferwinkel mit sehr starker Muskulatur, schlechte Kopfhaltung.

Wie kann es zur Entstehung von CMD kommen? Häufig ist eine Zahn- oder Kieferfehlstellung als ursprüngliche Ursache auszumachen. Hierdurch kann es zu einer falschen Position des Kiefergelenks und des umliegenden Weichgewebes kommen, was wiederum absteigend Probleme in der Wirbelsäule, im Skelett und in Muskelfunktionsketten auslöst. Die Fehlstellungen der Unterkiefergelenke können eine Fehlstellung der Körperachse verursachen. Hierdurch kann es zu orthopädischen, skelettalen und gelenkspezifischen Erkrankungen kommen. Durch die Verzerrung des Weichgewebes und der Muskulatur kann es zum Verkleben von Faszien und Bindegewebe kommen. Hierdurch können am ganzen Körper Schmerzpunkte oder Schmerzareale entstehen. 

Fehlstellungen der Zähne und der Kiefer, die für einen falschen und krank machenden Biss verantwortlich sind und somit die CMD auslösen können, können angeboren sein, sie können in der Schwangerschaft, in der Geburt oder in der Kindheit erworben sein, sie können durch falsche Behandlung seitens Kieferorthopäde oder Zahnarzt entstehen, durch Unfälle, durch Zahnverlust, durch Fehlhaltungen und durch Erkrankungen (z.B. Bewegungsstörungen). 

Wie wird im Fall einer CMD-Erkrankung behandelt? Wichtig ist, dass ein Zahnarzt gesucht wird, der in dieser schwierigen Disziplin geschult ist. Es reicht nicht, wenn Schienen angeboten werden oder Funktionsanalyse. Dies sind Begleittherapien für die Durchführung von Zahnersatz und haben nichts mit einer professionellen CMD-Therapie zu tun. 

Als erstes sucht also der Patient den spezialisierten Zahnarzt zu einer Beratung, Funktionsanalyse und Therapieplanung auf. Diese wird individuell für den Patienten erstellt. Meist wird dann die Therapie mit einer Schienentherapie begonnen. Alles Weitere wird individuell nach Patientenfall geplant und durchgeführt. 

Veränderungen des Bisses sollten grundsätzlich durch Körpertherapie wie z.B. Osteopathie oder Physiotherapie begleitet werden. Weitere ergänzende Schritte sind Stoffwechseloptimierung und Entspannungstherapie.

Dr. med. dent. Stefanie Morlok
Master of Science Kieferorthopädie

Zur Aussichtswarte 15
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Tel: 08806 958630

Dr. med. dent. Stefanie Morlok