Nur in den USA unterstützt NIAMS (ein Bestandteil des „National Institutes of Health“ - National Institute of Arthritis and Muscoskeletal and Skin-Deseases) Forschungen, die das Verständnis für die spezifischen Abnormitäten, die die Fibromyalgie verursachen und unterhalten, verbessern. Dies geschah in der Hoffnung, bessere Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten zu finden.
Studien des NIAMS zeigen bei Fibromyalgie-Patienten einen abnorm niedrigen Cortisol-Spiegel im Urin. In Brightham, in der Frauenklinik Boston, in Massachusetts und an der University of Michigan Center in Ann Arbor untersuchten Forscher die Regulation und Funktion der Nebenniere (sie produziert Cortisol) bei Fibromyalgie-Patienten. Menschen, bei denen im Körper zu wenig Cortisol freigesetzt wird, zeigen viele der fibromyalgietypischen Symptome. Es besteht die Hoffnung, dass diese Studien zu einem besseren Verständnis für die Fibromyalgie-Erkrankung führen und dass sich somit bald neue Behandlungsmöglichkeiten ergeben. Andere NIAMS-Forschungsstudien blicken auf die verschiedenen Aspekte bei der Fibromyalgie. In der University of Alabama in Birmingham konzentrieren sich die Forscher auf die Frage, inwiefern die verschiedenen Gehirnstrukturen auf die schmerzhafte Symptomatik Einfluss nehmen.
Forscher der Vanderbilt University in Nashville/Tennessee verwenden die Kernspintomographie (MRT) und Magnetresonanzspektroskopie (MRS), um FMS-Patienten zu studieren. MRT und MRS sind sinnvolle Hilfsmittel, um Muskelerkrankungen zu diagnostizieren sowie die Muskelfunktion zu beurteilen. Im New York Medical College in Valhalla erforschen die Wissenschaftler die Ursachen einer "Chronischen Lyme-Krankheit" als Modell für Fibromyalgie. Einige Patienten entwickeln eine fibromyalgieähnliche Erkrankung nach einer Borreliose, das ist eine Infektionskrankheit, welche mit Lyme-Arthritis und anderen Symptomen assoziiert werden kann. Die vom NIAMS geförderten Forschungsarbeiten beinhalten ebenfalls einige Projekte am Institute's Multipurpose Arthritis and Muskeloskeletal Diseases Center. Die Forscher untersuchen dort Personen, die keine medizinische Hilfe suchen und trotzdem die Kriterien einer Fibromyalgie erfüllen. Diese Menschen wurden über die Medien der USA darum gebeten, sich für Studienzwecke zu melden, falls sie an unklaren Schmerzen am ganzen Körper leiden.
Andere Studien an diesem Zentrum sollen neue Schmerzbewältigungsstrategien im Sinne von Verhaltenstraining und Entspannungsverfahren entwickeln.
NIAMS fördert und unterstützt klinische Grundlagenforschung, welche das Verständnis für die Fibromyalgie-Erkrankung verbessern soll. Wie auch immer, es bedarf eines erheblich größeren Forschungsaufwandes, um Fibromyalgie früher zu diagnostizieren und erfolgreicher therapieren zu können. Heute dauert es statistisch ca. 4 - 8 Jahre vom Auftreten der Fibromyalgie bis zur Diagnose.
NIAMS führt und koordiniert die staatlichen bio-medizinischen Leistungen für Arthritis, Muskel-, Knochen- und Hauterkrankungen, indem Forschungsprojekte unterstützt werden, Forschung und klinische Versuche sowie epidemiologische Studien gefördert werden und NIAMS verteilt Informationen über die Forschungsprojekte und Ergebnisse.
Prof. D. J. Clauw (Washington, DC) geht auf dem Rheumatologenkongress in Philadelphia 2000 von falschen Abläufen im Gehirn aus. Die Ursache der generalisierten Störung sei im Nervensystem zu suchen und nicht in den Muskeln selbst. Ein erhöhter Spiegel von Substanzen, wie NGF im Liquor, ist offenbar mit den Schmerzen und der Hyperalgesie assoziiert.
Im deutschsprachigen Raum wurde an verschiedenen Stellen geforscht, u. a. in München (Prof. Dr. med. D. Pongratz/ Dr. med. Späth), in Bad Säckingen (Prof. Dr. med. W. Müller/Dr. med. Stratz), in Bad Liebenwerda (Dr. med. Engel) und Zürich (Dr. med. Sprotte).
Forschungen im deutschsprachigen Raum ergaben neben den bislang bekannten Laborwerten z.B.:
Niedrige Carnitin-Werte in der Muskulatur (Prof. Dr. D. Pongratz/ Dr. M. Späth, München)
Substanz P in der Muskulatur, Substanz-P-Erhöhung in freien Nervenendigungen des Muskels bei Fibromyalgie (sonst nur im Liquor zu finden) (Prof. D. Pongratz, München)
Substanz P im Hinterhorn (S. Mense, Heidelberg)
Kältere Hautoberfläche an den Tender-Points als an der umgebenden Haut (Dr. med. Engel, Bad Liebenwerda)
Verminderte Blutdurchlaufgeschwindigkeit im Bereich der Tender-Points (Dr. Haiko Sprotte, Zürich)
Gene, die auf eine Vererbung hinweisen (Prof. Yunus, USA, und Prof. Dr. Pongratz, München)
Pathologische Veränderungen des Muskelgewebes (Prof. Dr. med. D. Pongratz, München)
Feststehende Kriterien für Fibromyalgie-Untergruppen (Dr. med. Stratz, Bad Säckingen)
Hohe Antikörper-Werte gegen Serotonin, Ganglioside, Phospholipide (u.a. Prof. P. A. Berg, Tübingen)
Fibromyalgie: Eine aktuelle Standortbestimmung - Biochemische Aspekte zur Pathogenese: Serotonin im Serum erniedrigt
Dysregulation der HPA-Achse
(Prof. Dr. D. Pongratz, München, 2006)